Hinter dem Brenner wird der Strom erst einmal billiger. Die Brennerautobahn verlangt an ihren eigenen Schnellladern 43 Cent je Kilowattstunde, gut ein Drittel weniger als der Ad-hoc-Mittelwert an Österreichs Schnellladern. Abseits der A22 dreht sich das: An den Schnellladern von Enel und Ewiva kostet dieselbe Kilowattstunde 82 Cent. Und die italienische Straßenverkehrsordnung erlaubt nach dem Ende des Ladens nur noch eine Stunde am Ladeplatz, danach drohen 87 bis 344 Euro Strafe.
Doppelt so viele Ladepunkte, aber ein Drittel der Dichte
Die Piattaforma Unica Nazionale, kurz PUN, ist Italiens amtliche Karte der öffentlichen Ladepunkte, das Gegenstück zum Ladestellenverzeichnis der E-Control. Eingerichtet hat sie das Umwelt- und Energieministerium MASE per Dekret, aufgebaut haben sie GSE und RSE. Sie zeigt für jeden Ladepunkt Betreiber, Steckertyp, Leistung, Öffnungszeiten und ob er gerade in Betrieb ist. Am 23. Oktober 2026 führte sie 80.121 Ladepunkte, fast doppelt so viele wie die 41.035 in Österreich.
Bezogen auf die Bevölkerung kehrt sich das Bild um. Italien hatte laut ISTAT zu Jahresbeginn 2026 rund 58,9 Millionen Einwohner, Österreich laut Statistik Austria 9,2 Millionen. Auf 10.000 Einwohner kommen in Italien damit 13,6 öffentliche Ladepunkte, in Österreich 44,5 - mehr als das Dreifache. Wer es gewohnt ist, im Ort fast immer eine zweite Säule zu finden, sollte in Italien den Ausweichpunkt schon vor der Ankunft kennen. Preise zeigt die PUN in ihrer Liste derzeit nicht, die Karte eignet sich aber gut, um vor der Fahrt Steckertyp und Leistung am Ziel zu prüfen.
Auf der Autobahn: der Brenner als Preisausreißer nach unten
Wer über Innsbruck nach Süden fährt, kommt nach der Grenze auf die A22. Die Brennerautobahn AG betreibt dort laut eigener Darstellung 18 Ladestationen mit 82 Ladepunkten, die Supercharger von Tesla nicht mitgezählt. Es gibt drei Säulentypen mit drei Preisen:
- Ultraschnell bis 180 kW (zwei CCS-Anschlüsse): 0,43 €/kWh
- Multi-Standard bis 50 kW Gleichstrom oder 43 kW Wechselstrom, mit festen Kabeln für CCS, CHAdeMO und Typ 2: 0,38 €/kWh
- Wechselstrom bis 22 kW an zwei Typ-2-Dosen, eigenes Kabel nötig: 0,33 €/kWh
Zum Bezahlen bietet die Brennerautobahn ihre App rEVcharge an. Lädst du dort mit einer österreichischen Ladekarte über Roaming, gilt der Preis deines Kartenanbieters, nicht dieser Tarif - und der Unterschied kann groß sein.
Auf dem Netz der Autostrade per l'Italia waren laut einer Mitteilung vom 8. Juli 2026 107 Ladestationen in Betrieb, im Schnitt etwa alle 50 Kilometer. Für 61 weitere sind die Ausschreibungen abgeschlossen, danach soll der Abstand auf rund 30 Kilometer sinken. An den neuen Stationen bis 400 kW lässt sich direkt mit Kreditkarte bezahlen.
Was die Kilowattstunde kostet: Österreich, Brenner, Enel
Weil die PUN keine Preise zeigt, lässt sich Italien nicht Säule für Säule durchrechnen wie das österreichische Verzeichnis. Vergleichen lassen sich aber die Ad-hoc-Preise in Österreich mit den veröffentlichten Tarifen der Brennerautobahn und der Preisliste von Enel, die für die Säulen von Enel und Ewiva gilt:
| Ladeart | Österreich, Ad-hoc-Median | A22 Brennerautobahn | Enel und Ewiva, App ohne Abo |
|---|---|---|---|
| Wechselstrom | 56 ct | 33 ct | 69 ct tagsüber, 61 ct nachts |
| Gleichstrom bis rund 100 kW | 67 ct | 38 ct (bis 50 kW) | 76 ct tagsüber, 67 ct nachts |
| Schnelllader ab 150 kW | 69 ct | 43 ct (bis 180 kW) | 82 ct (ab 100 kW) |
Je Kilowattstunde. Österreich: Median der gemeldeten Ad-hoc-Preise im Ladestellenverzeichnis der E-Control am 23. Oktober 2026, Gleichstrom 50 bis 149 kW. A22: Tarife laut Brennerautobahn AG. Enel: Preisliste „Pay Per Use Basic“, Stand 1. Oktober 2026, inklusive Mehrwertsteuer, Tagpreis 7 bis 20:59 Uhr.
Am deutlichsten wird es beim typischen Ladestopp auf der Urlaubsfahrt: ein Auto mit 60-kWh-Akku von 10 auf 80 Prozent, also 42 Kilowattstunden am Schnelllader. An der A22 kostet das 18,06 Euro, zum österreichischen Ad-hoc-Mittel 28,98 Euro, an einer Enel-Säule 34,44 Euro. Wer auf der Hinfahrt mit genug Reserve über den Brenner fährt und erst auf der A22 nachlädt, spart gegenüber einem Stopp in Tirol rund 11 Euro - vorausgesetzt, er zahlt über die App der Brennerautobahn.
Nachts laden ist in Italien billiger
Enel staffelt den Preis nach der Uhrzeit. Zwischen 21 Uhr und 6:59 Uhr kostet Wechselstrom 61 statt 69 Cent und Gleichstrom bis 99 kW 67 statt 76 Cent. Wer am Urlaubsort abends ansteckt und 40 Kilowattstunden über Nacht lädt, spart so 3,20 Euro. An Säulen über 100 kW gilt rund um die Uhr derselbe Preis.
Fürs Stehenbleiben nach dem Laden verrechnet Enel an Säulen, die in der App entsprechend markiert sind, eine Gebühr fürs Nicht-Freigeben nach dem Ladeende: 0,10 Euro je Minute an Wechselstrom, 0,20 Euro an Gleichstrom und 0,30 Euro an Säulen über 100 kW. An Wechselstromsäulen im eigenen Netz gilt sie nur zwischen 8 und 23 Uhr, an Gleichstrom den ganzen Tag. Zwanzig Minuten Kaffeepause nach dem Ladeende am Schnelllader kosten damit 6 Euro extra.
Eine Stunde nach Ladeende ist Schluss
Das teuerste Missverständnis auf der Italienreise betrifft nicht den Strom, sondern das Parken. Artikel 158 des italienischen Codice della strada verbietet das Halten und Parken auf Ladeplätzen für Elektrofahrzeuge. Das Verbot gilt laut Wortlaut beim ACI ausdrücklich auch für E-Autos, die nicht laden, und für solche, die länger als eine Stunde nach dem Ende des Ladevorgangs stehen bleiben.
Die Strafe beträgt für Pkw 87 bis 344 Euro, und sie gilt für jeden Kalendertag, an dem der Verstoß andauert, aufs Neue. Eine Ausnahme gibt es nachts: Zwischen 23 und 7 Uhr gilt die Stundengrenze nicht, allerdings nur an Ladepunkten bis 22 kW. An Schnellladern bleibt sie auch nachts bestehen. Für das Laden über Nacht an einer Wechselstromsäule heißt das: Zwischen 23 und 7 Uhr musst du nicht nach einer Stunde umparken, davor und danach schon.
Bezahlen ohne Vertrag und mit österreichischer Karte
Für Italien gelten beim Bezahlen dieselben EU-Regeln wie daheim, denn die AFIR-Verordnung gilt seit 13. April 2024 unmittelbar in jedem Mitgliedstaat. Jeder öffentliche Ladepunkt muss spontanes Laden ohne Vertrag ermöglichen. Säulen, die seit diesem Datum errichtet wurden, nehmen Zahlungskarten an: über Kartenleser oder kontaktlos, unter 50 kW wahlweise auch über einen QR-Code mit Online-Bezahlung. Ab 1. Jänner 2027 müssen auch ältere Schnellladesäulen ab 50 kW entlang der europäischen Hauptrouten Karten direkt annehmen.
Mit einer österreichischen Ladekarte oder App lädst du in Italien über Roaming. Auch dafür schreibt die AFIR in Artikel 5 zwei Dinge vor: Der Anbieter muss dir vor dem Start alle Preisbestandteile anzeigen, einschließlich der Roamingkosten, und er darf für grenzüberschreitendes Roaming keine zusätzlichen Entgelte verlangen. Ein Auslandsaufschlag ist also verboten - ein höherer Preis an einer fremden Säule nicht. Wie Roaming abgerechnet wird, steht bei Abrechnung und Roaming, welche Karten welche Netze abdecken, im Ladekarten-Vergleich. Prüf vor jedem Ladevorgang den Preis in der App - ein Blick, der auf einer 42-kWh-Ladung schnell zehn Euro ausmacht.
Typ 2 passt fast überall, Typ 3A nie
An Gleichstromsäulen hängt das Kabel fest, das schreibt die AFIR für alle öffentlichen Gleichstrom-Ladepunkte seit April 2025 vor. Gesteckt wird CCS, wie in Österreich. An Wechselstromsäulen brauchst du dagegen laut ÖAMTC meist dein eigenes Typ-2-Kabel, an den reinen AC-Säulen der A22 ausdrücklich.
Eine italienische Besonderheit ist die Dose vom Typ 3A. Enel führt sie in seiner Preisliste neben Typ 2 als Wechselstrom-Anschluss, und in der PUN tauchen solche Ladepunkte mit 2 bis 7 kW auf, mitten in Rom etwa an der Piazza della Repubblica. Ein Typ-2-Kabel passt dort nicht hinein. Steht in der Karte an einer Säule nur Typ 3A, ist sie für dich wertlos - ein Grund mehr, das Ziel vorher in der PUN anzusehen. Die Stecker im Überblick stehen bei den Steckertypen.
Für die Ladestopps selbst gelten die Regeln jeder Langstrecke: mit 10 bis 20 Prozent ankommen, bis 80 Prozent laden, lieber zweimal kurz als einmal lang. Warum das schneller ist, rechnet der Ratgeber Laden unterwegs vor. Was neben dem Strom an Maut für die Strecke anfällt, steht unter https://www.reiselinks.at/maut-vignette-europa-2026/.
Stand: 27. Oktober 2026. Ladepunkte in Italien nach der Piattaforma Unica Nazionale (23. Oktober 2026), in Österreich und österreichische Preise nach dem Export des Ladestellenverzeichnisses der E-Control vom 23. Oktober 2026. Bevölkerung nach ISTAT (1. Jänner 2026, vorläufig) und Statistik Austria (1. Jänner 2026). Tarife laut Preisliste von Enel (1. Oktober 2026) und Brennerautobahn AG, Autobahnnetz nach Autostrade per l'Italia. Straßenverkehrsrecht nach Art. 158 Codice della strada. Angaben ohne Gewähr.