An derselben Säule kann dieselbe Kilowattstunde je nach Karte 40 oder 80 Cent kosten - der Unterschied liegt nicht am Strom, sondern am Vertrag dahinter. Wer viel unterwegs lädt, spart mit der passenden Karte über ein Jahr gerechnet dreistellig. Die Anbieter unterscheiden sich dabei weniger im Preis als in der Abdeckung: Entscheidend ist, ob ihre Konditionen dort gelten, wo du tatsächlich lädst.
Regionale Energieversorger
Die Ladekarten der regionalen Energieversorger sind besonders in ihrem jeweiligen Bundesland attraktiv. Sie bieten meist günstige Tarife im eigenen Netz und Roaming zu anderen Anbietern.
- Wien Energie: Ideal für Wien und Umgebung
- EVN: Das größte Netz in Niederösterreich
- Salzburg AG: Stark in Salzburg und den Skigebieten
- KELAG: Der Platzhirsch in Kärnten
- Energie Steiermark: Umfangreiches Netz in der Steiermark. Die Lade-App elinx wurde im September 2026 abgeschaltet, maßgeblich ist wieder die Mobilitätskarte - die Preise im Detail
Österreichweite Anbieter
SMATRICS
SMATRICS betreibt eines der größten Schnellladenetze Österreichs, besonders entlang der Autobahnen. Die Ladekarte bietet Zugang zu allen SMATRICS-Stationen und über Roaming zu vielen weiteren Anbietern.
ÖAMTC ePower
Der Automobilclub betreibt über 700 eigene AC- und DC-Ladepunkte in Österreich und bindet über Roaming-Partner rund 30.000 weitere in Österreich, Deutschland, Italien, Kroatien und Slowenien an. Eine ÖAMTC-Mitgliedschaft ist dafür nicht nötig - es genügt ein kostenloses Konto für die App. Die physische Ladekarte kostet 7,80 € bei Zusendung und ist am Stützpunkt gratis.
Mit 0,44 € je Kilowattstunde an AC-Punkten im eigenen Netz ist ÖAMTC einer der günstigsten Anbieter im Land. Das deckt sich mit den an die E-Control gemeldeten Ad-hoc-Preisen, wo die ÖAMTC-Standorte mit einem Median von 44 Cent das untere Ende der Skala markieren.
Internationale Anbieter
EnBW mobility+
Der deutsche Anbieter hat eines der größten Roaming-Netzwerke in Europa. EnBW gibt für das eigene HyperNetz mehr als 900.000 Ladepunkte in 17 europäischen Ländern an, Österreich eingeschlossen. Besonders für Fahrten nach Deutschland sehr praktisch.
Plugsurfing
Ein reiner Roaming-Anbieter ohne eigene Ladestationen, aber mit Zugang zu einem riesigen Netzwerk in Europa. Die App zeigt Preise transparent an.
Schnelllade-Netzwerke
IONITY
Das High-Power-Charging-Netzwerk der Autohersteller bietet extrem schnelles Laden an Autobahnen. Ohne Vertrag ist IONITY teuer, mit dem Passport-Abo fällt der kWh-Preis deutlich. Das Abo gibt es in zwei Stufen: Motion für 5,99 € und Power für 11,99 € im Monat, wobei die höhere Stufe den Arbeitspreis stärker senkt. Ab welcher Fahrleistung sich das rechnet, hängt davon ab, wie oft du tatsächlich an einer IONITY-Säule stehst - für zwei Langstrecken im Jahr lohnt es sich nicht.
Tesla Supercharger
Tesla öffnet sein Netzwerk zunehmend für Fremdmarken. Die Abrechnung erfolgt über die Tesla App. Für Nicht-Tesla-Fahrer oft teurer als für Tesla-Besitzer.
Was die Tarife tatsächlich kosten
Werbeaussagen helfen wenig - die Preisblätter schon. Drei österreichische Anbieter im direkten Vergleich, jeweils nach eigenen Angaben:
| Anbieter / Tarif | AC | DC bis 149 kW | DC ab 150 kW | Grundgebühr |
|---|---|---|---|---|
| ÖAMTC ePower, eigenes Netz | 0,44 € | 0,54 € | 0,64 € | keine |
| ÖAMTC ePower, Partnernetz AT | 0,54 € | 0,64 € | 0,74 € | keine |
| illwerke vkw, PUBLIC Privat | 0,448 € | 0,478 € | keine | |
| OMV eMotion Premium | - | 0,56 € | 0,65 € | keine |
| OMV eMotion Premium Plus | - | 0,52 € | 0,59 € | 3,99 €/Monat |
| OMV Ad-hoc (ohne Vertrag) | 0,69 € einheitlich | keine | ||
Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens beträgt der Roaming-Aufschlag bei ÖAMTC exakt 10 Cent je Kilowattstunde, quer über alle Leistungsklassen - laden im eigenen Netz statt beim Partner spart also rund ein Fünftel. Zweitens ist der Ad-hoc-Preis bei OMV mit 0,69 € um 13 Cent höher als der vertragsgebundene Premium-Tarif, obwohl dieser nichts kostet. Wer sich nicht registriert, zahlt schlicht Aufpreis für Bequemlichkeit.
Rechnet sich eine Grundgebühr?
Das lässt sich ausrechnen statt schätzen: Teile die monatliche Gebühr durch die Ersparnis je Kilowattstunde, und du erhältst die Menge, ab der sich das Abo trägt. Bei OMV kostet Premium Plus 3,99 € im Monat und senkt den DC-Preis um 4 Cent. 3,99 geteilt durch 0,04 ergibt rund 100 Kilowattstunden im Monat, was etwa 550 Kilometern entspricht - allerdings nur, wenn diese ausschließlich an OMV-Schnellladern geladen werden. An HPC-Säulen ist die Ersparnis mit 6 Cent größer, dort genügen rund 67 Kilowattstunden.
Für die meisten, die überwiegend zu Hause laden, geht diese Rechnung nicht auf. Ein Abo lohnt sich für Vielfahrer ohne eigene Wallbox und für Pendler auf gleichbleibender Strecke - für alle anderen ist der Tarif ohne Grundgebühr die sichere Wahl.
Blockiergebühren im Vergleich
Der Posten, der auf keiner Werbeseite steht, aber die Rechnung merklich verändert. Entscheidend ist die Karenzzeit, nicht der Minutenpreis:
- ÖAMTC ePower: 0,10 €/min - an AC ab Minute 240, an DC ab Minute 120
- OMV eMotion: 0,07 €/min - an AC ab Minute 480, an DC ab Minute 120
- illwerke vkw: 0,10 €/min - an AC ab Minute 240, an Destination-Ladern ab Minute 720, an DC bereits ab Minute 45
Die 45 Minuten bei vkw sind der Ausreißer nach unten und praktisch relevant: Ein Ladevorgang von 10 auf 80 % dauert je nach Fahrzeug 25 bis 40 Minuten. Wer danach noch einen Kaffee trinkt, zahlt drauf.
Worauf solltest du achten?
- Grundgebühr: Manche Tarife haben eine monatliche Gebühr, bieten dafür günstigere kWh-Preise
- AC vs DC Preise: Oft gibt es unterschiedliche Preise für Normal- und Schnellladen
- Roaming-Kosten: Laden bei Fremdanbietern ist meist teurer
- Abdeckung: Prüfe, ob die Stationen dort sind, wo du sie brauchst
- App-Qualität: Eine gute App erleichtert das Finden und Starten von Ladevorgängen
Unsere Empfehlung
Für die meisten E-Auto-Fahrer in Österreich empfehlen wir eine Kombination:
- Eine Karte des regionalen Energieversorgers für den Alltag
- Eine Karte mit großem Roaming-Netzwerk für Reisen (z.B. EnBW mobility+ oder ÖAMTC)
- Optional: IONITY Passport für häufige Langstrecken
Der Grund für die Kombination liegt im Roaming-Aufschlag. Weil das Laden im eigenen Netz eines Anbieters spürbar günstiger ist als beim Partner - bei ÖAMTC sind es 10 Cent je Kilowattstunde - lohnt es sich, für die Region, in der man täglich lädt, die Karte des dort dominierenden Betreibers zu haben. Die zweite Karte ist die Rückversicherung für alles andere.
Zwei Karten decken damit den Alltag ab, ohne dass eine davon etwas kostet. Erst wer regelmäßig lange Strecken an Schnellladern fährt, sollte über einen Tarif mit Grundgebühr nachdenken - und ihn vorher durchrechnen.
Stand: August 2026. Tarife nach den Preisblättern von ÖAMTC ePower, OMV eMotion und illwerke vkw. Tarife und Grundgebühren ändern sich häufig - die Konditionen vor Vertragsabschluss beim Anbieter selbst prüfen.