Die Frage ist längst nicht mehr, ob eine Langstrecke im E-Auto funktioniert, sondern wie viel Zeit sie kostet. In Österreich stehen 3.227 Schnelllader ab 50 kW, davon 1.946 mit mindestens 150 kW. Entlang der Hauptrouten schreibt die EU inzwischen vor, wie dicht sie stehen müssen. Der Unterschied zwischen einer entspannten und einer zähen Fahrt liegt danach fast nur noch an der Planung.
Was auf Autobahnen vorgeschrieben ist
Die EU-Verordnung AFIR macht dem Ausbau entlang des TEN-T-Kernnetzes, also der großen europäischen Durchzugsrouten, konkrete Vorgaben:
- Seit Ende 2025: alle 60 Kilometer ein Ladepark mit mindestens 400 kW Gesamtleistung, darunter mindestens eine Säule mit 150 kW
- Ab Ende 2027: alle 60 Kilometer mindestens 600 kW Gesamtleistung und mindestens zwei Säulen mit je 150 kW
Die Vorgabe gilt je Fahrtrichtung. Praktisch heißt das für die Reiseplanung: Auf den Hauptachsen musst du nicht mehr nach Ladesäulen suchen, sondern nur noch entscheiden, an welcher du hältst. Abseits davon - auf Landstraßen, in Seitentälern, in dünn besiedelten Regionen - gilt die Vorgabe nicht, und dort lohnt der Blick auf die Karte weiterhin.
Die Routenplanung
Eine gute Planung ist das A und O. Nutze Apps und Websites, die speziell für E-Auto-Navigation entwickelt wurden:
- A Better Route Planner (ABRP): Der Klassiker unter den E-Auto-Routenplanern
- Integrierte Navigation: Viele E-Autos planen Ladestopps automatisch
- Google/Apple Maps: Zeigen mittlerweile auch Ladestationen an
Gib dein Fahrzeugmodell und den gewünschten Ankunfts-Ladestand ein - die App berechnet optimale Ladestopps unter Berücksichtigung der Ladekurve deines Autos.
Die 10-80-Regel
Der effizienteste Bereich für Schnellladen liegt zwischen 10% und 80% Ladestand:
- Unter 10%: Komme nicht zu leer an - Reserve für Unvorhergesehenes
- 10-80%: Hier lädt das Auto am schnellsten
- Über 80%: Die Ladeleistung sinkt stark - Zeit verschwenden
Lieber einen kurzen Stopp mehr als einen langen. Mehrere Stopps von 20 Minuten sind schneller als ein Stopp von 60 Minuten auf 100 %.
Rechnerisch sieht das so aus: Ein Auto, das 10 auf 80 % in 25 Minuten schafft, braucht für die restlichen 20 % oft noch einmal so lange - für ein Viertel der Energie. Zwei Stopps von je 20 Minuten liefern damit mehr nachgeladene Kilowattstunden als ein Stopp von 50 Minuten. Der einzige Fall, in dem Vollladen sinnvoll bleibt, ist eine lange Etappe ohne Lademöglichkeit dahinter - etwa vor einer Alpenüberquerung im Winter.
Wo die Schnelllader in Österreich stehen
Die Dichte unterscheidet sich stark nach Bundesland - und folgt weniger der Einwohnerzahl als den Durchzugsrouten:
| Bundesland | Schnelllader ab 50 kW | Anteil aller Stationen | davon ab 150 kW |
|---|---|---|---|
| Oberösterreich | 714 | 32,0 % | 383 |
| Kärnten | 228 | 27,1 % | 156 |
| Steiermark | 465 | 25,9 % | 294 |
| Niederösterreich | 693 | 23,4 % | 372 |
| Vorarlberg | 151 | 23,0 % | 85 |
| Burgenland | 141 | 22,9 % | 94 |
| Salzburg | 279 | 19,7 % | 188 |
| Tirol | 362 | 16,8 % | 258 |
| Wien | 194 | 12,9 % | 116 |
Wien bildet das Schlusslicht, und das ist kein Versäumnis: In der Stadt wird überwiegend über Nacht und beim Einkaufen geladen, dort zählt Fläche mehr als Tempo. Für die Reiseplanung heißt es aber, dass ein Ladestopp im Wiener Stadtgebiet schlechter funktioniert als kurz davor auf der Autobahn.
Bemerkenswert ist Tirol: nur 16,8 % Schnelllader, aber 258 davon mit mindestens 150 kW - von 362 also mehr als zwei Drittel. Wo gebaut wird, wird dort gleich richtig gebaut, weil die Transitrouten es verlangen.
Schnelllader finden
Entlang der österreichischen Autobahnen findest du regelmäßig Schnelllader:
- IONITY, Tesla Supercharger, SMATRICS an Raststätten
- Abstand zwischen Schnellladern: typisch 30-50 km
- Tipp: Auch etwas abseits der Autobahn gibt es oft Schnelllader
Praktische Tipps
- Vorkonditionierung nutzen: Viele Autos heizen die Batterie vor, wenn du ein Ladeziel im Navi eingibst
- Pausen sinnvoll nutzen: Lade während du Kaffee trinkst oder auf die Toilette gehst
- Mehrere Ladekarten dabei haben: Falls eine Station nicht funktioniert
- Backup-Station kennen: Immer wissen, wo die nächste Alternative ist
- Belegung prüfen: Viele Apps zeigen die Verfügbarkeit in Echtzeit
Im Urlaub laden
Am Urlaubsort angekommen, gibt es verschiedene Lademöglichkeiten:
- Hotel mit Ladestation: Immer mehr Hotels bieten Ladestationen an
- Destination Charger: Oft kostenlos bei Sehenswürdigkeiten und Restaurants
- Öffentliche Ladestationen: In den meisten europäischen Städten gut ausgebaut
Frage vor der Buchung nach: Viele Hotels listen Ladestationen auf ihrer Website oder bei Buchungsportalen.
Wenn die Ladesäule nicht funktioniert
Das ist der Fall, auf den sich Planung wirklich auszahlt. 705 der österreichischen Ladestationen sind derzeit als außer Betrieb gemeldet, also etwa jede zwanzigste. Dazu kommen belegte Säulen und einzelne Ladepunkte, die trotz Betriebsmeldung nicht starten.
Drei Dinge helfen dagegen. Erstens: nie mit unter 10 % an einer Säule ankommen, die alternativlos ist - die Reserve ist genau für diesen Fall da. Zweitens Standorte mit mehreren Ladepunkten bevorzugen; fällt einer aus, steht daneben der nächste. Drittens eine zweite Zahlungsmöglichkeit dabeihaben, denn manche Fehlversuche liegen nicht an der Säule, sondern an der Autorisierung. Seit der AFIR-Verordnung muss an neuen Schnellladern ohnehin eine Karte akzeptiert werden - das ist der verlässlichste Rückfallweg.
Fazit
Auf den Hauptrouten ist die Langstrecke gelöst. Alle 60 Kilometer ein Ladepark mit mindestens 400 kW, ab Ende 2027 mit 600 kW - damit ist die Frage nach der nächsten Säule keine mehr. Was bleibt, ist die Feinplanung: mit 10 bis 20 % ankommen, bis 80 % laden, lieber zweimal kurz als einmal lang.
Abseits der Korridore gelten die alten Regeln weiter. Wer ins Seitental fährt, ins Skigebiet oder über Landstraßen, plant besser einen Puffer ein und kennt die Ausweichstation. Und im Winter kommt dazu, dass die Ladesäule nur so schnell ist wie die Batterie warm - die Vorkonditionierung entscheidet dann über mehr Zeit als die Wahl zwischen 150 und 350 kW.
Stand: August 2026. Verteilung der Schnelllader nach dem Ladestellenverzeichnis der E-Control, Ausbauvorgaben nach der EU-Verordnung AFIR.