Steckertypen für E-Autos erklärt

Typ 2, CCS, CHAdeMO - welcher Stecker passt?

Die Steckerfrage ist in Österreich praktisch entschieden: An 81,9 % aller Ladestationen steckt ein Typ-2-Anschluss, CCS folgt mit 25,1 %. Wer ein modernes E-Auto fährt, kommt mit diesen beiden überall hin. Die wirklich relevante Frage lautet inzwischen eine andere - nämlich ob an der Säule ein Kabel hängt oder nicht. An 45 % der Typ-2-Stationen hängt keines.

Welche Stecker es in Österreich tatsächlich gibt

Betreiber müssen den Steckertyp jedes Ladepunkts an die E-Control melden. Über alle 14.184 Ladestationen mit ihren rund 40.000 Ladepunkten ergibt sich dieses Bild:

Steckertyp Stationen Anteil Ladepunkte
Typ 2 (Kabel fest angeschlagen)6.38945,0 %13.639
Typ 2 (Dose, eigenes Kabel)4.11229,0 %10.807
CCS3.56225,1 %11.005
Typ 2 (ohne nähere Angabe)1.2799,0 %3.652
CHAdeMO4603,2 %511
Schuko2782,0 %437
Typ 1140,1 %24
CEE-Industriestecker80,1 %23

Die Summe liegt über 100 %, weil die meisten Stationen mehrere Anschlüsse gleichzeitig anbieten. Zusammengefasst führt Typ 2 in allen Varianten mit 11.622 Stationen, CCS kommt auf 3.566.

Typ 2 (Mennekes) - Der europäische Standard

Der Typ-2-Stecker, auch Mennekes-Stecker genannt, ist der europäische Standard für AC-Laden (Wechselstrom). Fast alle in Europa verkauften Elektroautos haben einen Typ-2-Anschluss. Technisch reicht er von 3,7 kW einphasig bis 43 kW dreiphasig - in der Praxis spielt das obere Ende aber keine Rolle mehr: Ganze 41 Ladestationen in Österreich liefern 43 kW über Typ 2. Der Standard sind 22 kW an 5.051 Stationen und 11 kW an 4.377 Stationen. Wer mehr als 22 kW will, braucht ohnehin Gleichstrom und damit CCS.

Entscheidend ist dabei die Leistung, die das Auto aufnehmen kann. Viele Modelle laden einphasig mit 7,4 kW oder dreiphasig mit 11 kW - an einer 22-kW-Säule bringt das keinen Vorteil. Die Ladeleistung richtet sich immer nach dem schwächeren der beiden Partner.

Typische Ladeleistungen: 11 kW (Standard), 22 kW (beschleunigt)

Geeignet für: Alle europäischen E-Autos, öffentliche Ladestationen, Wallboxen

Kabel oder Dose - der Unterschied, der im Alltag zählt

Typ 2 kommt in zwei Bauformen vor, und das ist die Unterscheidung, an der unvorbereitete Fahrer tatsächlich scheitern. Entweder hängt an der Säule ein fest angeschlagenes Kabel, das du direkt ins Auto steckst. Oder es gibt nur eine Dose - dann brauchst du dein eigenes Typ-2-Kabel, sonst passiert gar nichts.

Die Verteilung in Österreich ist dabei fast ausgeglichen:

  • 6.232 Stationen haben ausschließlich fest angeschlagene Kabel
  • 5.233 Stationen haben ausschließlich Dosen - hier brauchst du ein eigenes Kabel
  • 157 Stationen bieten beides an
Praktische Folge: An 45 % aller Typ-2-Ladestationen in Österreich kommst du ohne eigenes Kabel nicht weiter. Ein Typ-2-Kabel gehört deshalb genauso ins Auto wie das Warndreieck - bei DC-Schnellladern ist das anders, dort ist das Kabel aus Gewichts- und Kühlungsgründen immer fest montiert.

Beim Kabelkauf zählt die Belastbarkeit: Ein einphasiges 16-A-Kabel begrenzt dich auf 3,7 kW, auch wenn Auto und Säule mehr könnten. Für 11 kW braucht es ein dreiphasiges 16-A-Kabel, für 22 kW ein dreiphasiges 32-A-Kabel. Fünf Meter Länge sind ein guter Kompromiss - kürzere Kabel reichen an quer geparkten Stellplätzen oft nicht.

CCS Combo 2 - Schnellladen in Europa

CCS steht für Combined Charging System und ist der Standard für DC-Schnellladen (Gleichstrom) in Europa. Der Stecker ist eine Erweiterung des Typ-2-Steckers um zwei zusätzliche Kontakte für Gleichstrom - deshalb passt der obere Teil eines CCS-Steckers auch in eine reine Typ-2-Dose. Am Auto sitzt beides in derselben Ladeklappe, was den Umstieg zwischen AC und DC unkompliziert macht.

In Österreich stehen 3.562 Stationen mit CCS-Anschluss. Die Leistungsklassen verteilen sich so:

  • 1.281 Stationen liefern 50 bis unter 150 kW - der klassische Schnelllader
  • 1.664 Stationen liefern 150 bis unter 350 kW
  • 282 Stationen schaffen 350 kW und mehr, die stärkste liegt bei 600 kW

Diese Spitzenwerte erreicht allerdings kaum ein Serienauto. Die meisten aktuellen Modelle nehmen zwischen 100 und 250 kW auf, und selbst das nur in einem schmalen Ladefenster bei niedrigem Ladestand. Eine 350-kW-Säule lädt ein Auto mit 150 kW Maximum nicht schneller - sie kann nur mehrere Fahrzeuge gleichzeitig mit voller Leistung versorgen.

Geeignet für: Fast alle europäischen E-Autos ab ca. 2018, Schnellladestationen

CHAdeMO - Der japanische Standard

CHAdeMO ist ein aus Japan stammender Schnellladestandard, der vor allem bei älteren japanischen Elektroautos wie dem Nissan Leaf oder Mitsubishi i-MiEV zu finden ist. In Europa verliert CHAdeMO zunehmend an Bedeutung, da auch asiatische Hersteller mittlerweile auf CCS setzen.

Typische Ladeleistungen: 50 kW (Standard), bis 100 kW (neuere Stationen)

Wie weit der Bedeutungsverlust gediehen ist, zeigt eine einzelne Zahl: Von den 460 österreichischen Stationen mit CHAdeMO-Anschluss bieten 457 zugleich CCS an. Nur an drei Standorten im ganzen Land ist CHAdeMO die einzige Möglichkeit, mit Gleichstrom zu laden. Für CCS-Fahrer ist der Standard damit völlig bedeutungslos - für Fahrer eines CHAdeMO-Autos bedeutet es umgekehrt, dass ihnen von 3.566 Schnellladestandorten nur 460 offenstehen, also gut ein Achtel.

Hinzu kommt die Leistung: Auf die 460 Stationen entfallen nur 511 CHAdeMO-Ladepunkte, meist einer pro Standort. Fällt dieser aus oder ist er belegt, gibt es keine Ausweichmöglichkeit am selben Ort. Beim Kauf eines Gebrauchtwagens mit CHAdeMO-Anschluss ist das ein Punkt, der schwerer wiegt als der Kaufpreis.

Geeignet für: Nissan Leaf (ältere Modelle), Mitsubishi i-MiEV und Outlander PHEV

Tesla Supercharger

Tesla nutzte ursprünglich einen eigenen Steckerstandard, ist in Europa aber früh auf die hiesigen Normen umgeschwenkt. Das lässt sich an den gemeldeten Daten ablesen: Tesla betreibt in Österreich 53 Ladestationen, und deren Anschlüsse sind ausschließlich CCS und Typ 2 - kein einziger proprietärer Tesla-Stecker. Die gemeldeten Leistungen liegen zwischen 120 und 250 kW.

Seit 2022 öffnet Tesla das Netzwerk schrittweise für andere Marken. Praktisch heißt das: Ein CCS-Auto kann an vielen Superchargern laden, die Abrechnung läuft über die Tesla-App. Für Nicht-Tesla-Fahrer ist der Preis dabei in der Regel höher als für Tesla-Fahrer, ein Abo senkt ihn wieder.

Geeignet für: Tesla-Fahrzeuge, an geöffneten Standorten auch andere E-Autos mit CCS

Schuko-Stecker (Haushaltssteckdose)

Der normale Haushaltsstecker taugt nur zum Notladen. Die Leistung liegt bei etwa 2,3 kW - eine 60-kWh-Batterie von leer auf voll dauert damit rund 26 Stunden. In Österreich melden 278 Ladestationen einen Schuko-Anschluss, das sind 2 % und meist Zusatzangebote auf Campingplätzen oder bei Beherbergungsbetrieben.

Der eigentliche Grund gegen Schuko ist aber nicht die Geschwindigkeit, sondern die Dauerbelastung: Eine Haushaltssteckdose ist für kurzzeitige Spitzen ausgelegt, nicht dafür, über Stunden nahe der Nennlast zu arbeiten. Alte Leitungen, lose Klemmen oder eine Mehrfachsteckdose können sich dabei so weit erwärmen, dass es gefährlich wird. Wer regelmäßig zu Hause lädt, braucht eine Wallbox - und wer Schuko als Reserve mitführt, sollte die Ladeleistung am mobilen Ladegerät auf 8 oder 10 A reduzieren.

Typische Ladeleistung: 2,3 kW (maximal empfohlen)

Typ 1 (J1772) - Der amerikanische Standard

Der Typ-1-Stecker ist in Nordamerika und Asien verbreitet, spielt in Europa aber kaum eine Rolle. Einige ältere Importfahrzeuge wie frühe Nissan Leaf oder Chevrolet Volt haben einen Typ-1-Anschluss. Adapter auf Typ 2 sind erhältlich.

Welcher Stecker für welches Auto?

Die meisten modernen Elektroautos in Europa (VW, BMW, Mercedes, Audi, Hyundai, Kia, Renault, Peugeot, Tesla Model 3/Y und viele mehr) nutzen:

  • Typ 2 für AC-Laden (Wallbox, öffentliche Normalladestationen)
  • CCS Combo 2 für DC-Schnellladen

Im Zweifelsfall findest du die Information zum Steckertyp in der Betriebsanleitung deines Fahrzeugs oder auf der Hersteller-Website.

Brauche ich einen Adapter?

Bei AC-Laden ja, aber nur in eine Richtung: Ein Auto mit Typ-1-Anschluss kommt mit einem Typ-1-auf-Typ-2-Kabel an praktisch jeder österreichischen Säule zurecht. Solche Kabel sind gängig und unproblematisch, weil bei Wechselstrom die Kommunikation zwischen Auto und Säule vergleichsweise einfach ist.

Bei DC-Schnellladen sieht es anders aus. Adapter von CCS auf CHAdeMO oder umgekehrt sind technisch aufwendig, teuer und werden von vielen Herstellern nicht freigegeben, weil beim Gleichstromladen hohe Ströme und ein fortlaufender Datenaustausch im Spiel sind. Wer ein CHAdeMO-Auto fährt, plant deshalb besser die Route entlang der vorhandenen CHAdeMO-Standorte, statt sich auf einen Adapter zu verlassen.

Fazit

Für ein modernes Elektroauto ist die Steckerfrage in Österreich gelöst: Typ 2 und CCS decken zusammen praktisch das gesamte Netz ab, und beide sitzen in derselben Ladeklappe. Wer neu einsteigt, muss sich um Kompatibilität keine Gedanken machen.

Zwei Dinge bleiben trotzdem praktisch relevant. Erstens das eigene Typ-2-Kabel - ohne das stehst du an fast der Hälfte der Säulen umsonst. Zweitens CHAdeMO: Mit nur drei Standorten im Land, an denen es die einzige DC-Option ist, ist der Standard für CCS-Fahrer bedeutungslos geworden. Wer dagegen ein Auto mit CHAdeMO kauft, sollte wissen, dass ihm sieben von acht Schnellladestandorten verschlossen bleiben.

Stand: August 2026. Verteilung der Steckertypen und Ladeleistungen nach den Meldungen im Ladestellenverzeichnis der E-Control.

→ Weiter zum Ratgeber: AC vs DC Laden