Laden im Winter

So klappt das Laden auch bei Kälte

ÖAMTC und ADAC haben 25 langstreckentaugliche E-Autos bei 0 Grad über eine simulierte Autobahnstrecke von mehr als 580 Kilometern geschickt. Nur ein einziges Fahrzeug schaffte die Distanz ohne Ladestopp. Kälte kostet Reichweite, daran führt kein Weg vorbei - aber wie viel, entscheidet weniger die Batteriegröße als die Heizung.

Was der Wintertest zeigt

Getestet wurden ausschließlich Fahrzeuge mit mindestens 500 Kilometern WLTP-Reichweite, auf dem Prüfstand des ADAC-Testlabors bei 0 Grad Umgebungstemperatur, mit realistischem Verkehrsgeschehen, Steigungen und Gefällen. Die Ergebnisse liegen weit auseinander:

  • Mercedes EQS 450+ - einziges Fahrzeug, das die Strecke mit einer Ladung schaffte, bei 20,4 kWh/100 km
  • Porsche Taycan - 504 Kilometer Reichweite bei 21,4 kWh/100 km
  • Tesla Model 3 MR RWD - ein Ladestopp von 20 Minuten genügt, bei rund 45.000 Euro Anschaffungspreis
  • Am anderen Ende brauchten Fahrzeuge mit etwa 30 kWh/100 km drei Ladestopps. Beim MG 4 ER trieben laut Test Schwächen der Heizung den Verbrauch deutlich nach oben.

Die Spanne zwischen 20,4 und rund 30 kWh je 100 Kilometer ist bemerkenswert: Das schlechteste Fahrzeug verbraucht fast die Hälfte mehr als das beste - bei identischen Bedingungen. Durchgefallen ist übrigens keines, alle konnten mindestens zwei Stunden am Stück fahren.

Warum lädt das E-Auto im Winter langsamer?

Lithium-Ionen-Batterien mögen keine extremen Temperaturen. Bei Kälte laufen die chemischen Prozesse in den Zellen langsamer ab. Das Batteriemanagementsystem reduziert deshalb die Ladeleistung, um die Batterie zu schützen.

Bei einer kalten Batterie (unter 10°C) kann die Schnellladeleistung um 30-50% reduziert sein. Erst wenn die Batterie aufgewärmt ist, steigt die Ladeleistung wieder.

Vorkonditionierung - der wichtigste Tipp

Viele moderne E-Autos können die Batterie auf dem Weg zur Ladestation vorheizen. Gib einfach einen Schnelllader als Ziel im Navi ein - das Auto beginnt automatisch mit dem Aufwärmen der Batterie.

Der Effekt ist enorm: Mit vorgewärmter Batterie lädst du fast so schnell wie im Sommer. Ohne Vorkonditionierung kann der gleiche Ladevorgang doppelt so lange dauern.

Tipps fürs Laden bei Kälte

  • Direkt nach der Fahrt laden: Die Batterie ist noch warm von der Fahrt
  • Vorkonditionierung nutzen: Wenn dein Auto die Funktion hat, unbedingt aktivieren
  • Längere Ladestopps einplanen: Die ersten Minuten sind langsam, dann wird es schneller
  • Garage nutzen: Auch eine ungeheizte Garage ist wärmer als draußen
  • Zu Hause laden: Über Nacht hast du genug Zeit, auch wenn es langsamer geht

Reichweite im Winter

Nicht nur das Laden, auch die Reichweite ist im Winter geringer. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Heizung verbraucht viel Energie
  • Kalte Batterie hat weniger nutzbare Kapazität
  • Rollwiderstand auf nasser/verschneiter Straße ist höher
  • Scheibenheizung, Sitzheizung, etc. verbrauchen zusätzlich

Rechne im Winter mit 20 bis 30 % weniger Reichweite als im Sommer. Bei extremer Kälte können es auch 40 % sein.

Der mit Abstand größte Posten davon ist die Heizung. Ein Verbrennungsmotor heizt den Innenraum mit Abwärme, die ohnehin anfällt - für ihn ist Heizen praktisch gratis. Ein Elektroantrieb arbeitet zu effizient, um genug Abwärme zu produzieren, und muss die Wärme deshalb aktiv erzeugen. Bei zweistelligen Minusgraden zieht die Innenraumheizung Leistung in der Größenordnung mehrerer Kilowatt - im Stadtverkehr kann das mehr sein als der Antrieb selbst.

Wärmepumpe oder Widerstandsheizung

Hier liegt der technische Unterschied, der die Testergebnisse erklärt. Eine einfache PTC-Heizung arbeitet wie ein Tauchsieder: Aus einer Kilowattstunde Strom wird eine Kilowattstunde Wärme, mehr geht physikalisch nicht. Eine Wärmepumpe erzeugt die Wärme nicht, sondern verlagert sie - sie entzieht der Außenluft und der Abwärme von Antrieb und Batterie Energie und hebt sie auf Innenraumtemperatur. Aus einer Kilowattstunde Strom werden dadurch mehrere Kilowattstunden Wärme.

Der Vorteil schrumpft, je kälter es draußen wird, weil dann weniger Wärme zum Verlagern da ist. Trotzdem ist die Wärmepumpe die eine Ausstattungsoption, die sich im Winterbetrieb unmittelbar in Reichweite auszahlt. Beim Gebrauchtkauf lohnt der Blick in die Ausstattungsliste - bei vielen Modellen war sie jahrelang ein Aufpreisextra und ist nicht nachrüstbar.

Energie sparen im Winter

  • Sitz- und Lenkradheizung: Effizienter als die Innenraumheizung
  • Vorheizen am Ladekabel: Heize das Auto vor der Fahrt, während es noch am Strom hängt
  • Wärmepumpe: Falls dein Auto eine hat, ist Heizen effizienter
  • Eco-Modus: Reduziert Heizleistung und spart Reichweite

Was in Österreich dazukommt

Zwei Besonderheiten treffen hier stärker zu als im Flachland. Erstens die Höhenlage: Auf dem Weg über einen Pass verbraucht das Auto auf der Bergfahrt deutlich mehr, holt aber auf der Talfahrt durch Rekuperation einen Teil zurück - bei kalter Batterie allerdings weniger, weil das Batteriemanagement die Rekuperationsleistung ebenso drosselt wie die Ladeleistung. Wer im Winter mit voller Batterie einen Pass hinunterfährt, hat zusätzlich das Problem, dass gar kein Platz zum Rekuperieren ist. Die Bremse übernimmt dann mehr Arbeit als gewohnt.

Zweitens die Ladeinfrastruktur in Tourismusregionen: In Tirol sind 16,8 % der Ladestationen Schnelllader, in Salzburg 19,7 % - deutlich weniger als in Oberösterreich mit 32 %. In den Skigebieten wird überwiegend über Nacht an AC-Säulen geladen, was im Winter sogar günstig ist: Eine lange Standzeit gleicht die niedrigere Ladeleistung bei Kälte mühelos aus.

Fazit

Der Winter kostet 20 bis 30 % Reichweite, und der größte Einzelposten ist die Heizung, nicht die Batterie. Das erklärt, warum im Test zwischen dem besten und dem schlechtesten Fahrzeug fast 50 % Verbrauchsunterschied lagen: Wo die Heizung effizient arbeitet, fällt der Wintereinbruch moderat aus.

Praktisch lässt sich der Verlust auf zwei Wegen begrenzen. Vorheizen am Kabel verlagert die teuerste Energie aus der Batterie ins Stromnetz. Und Vorkonditionierung vor dem Schnellladestopp verhindert, dass aus 25 Minuten Ladezeit eine Stunde wird - dazu muss die Ladesäule allerdings im Fahrzeug-Navi eingegeben sein, nicht nur in einer Karten-App. Wer beides nutzt, merkt vom Winter vor allem eines: dass er häufiger lädt.

Stand: August 2026. Verbrauchs- und Reichweitenwerte nach dem Winter-Reichweitentest von ÖAMTC und ADAC mit 25 Fahrzeugen bei 0 Grad, Verteilung der Schnelllader nach dem Ladestellenverzeichnis der E-Control.

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