elinx ist eingestellt - was steirische Ladekunden jetzt zahlen

Das Aus der App und der Preisvergleich mit der Mobilitätskarte

Knapp ein Jahr hat die Lade-App elinx gehalten. Am Montag, dem 7. September 2026, hat die Energie Steiermark den Dienst abgeschaltet und die Verträge ihrer Kunden gekündigt. Wer weiter im Netz des Landesversorgers laden will, braucht die Mobilitätskarte - und zahlt dort für Gleichstrom je nach Tarif 9 bis 11 Cent mehr je Kilowattstunde als zuletzt mit elinx. Für einen Vielfahrer sind das rund 200 Euro im Jahr.

Vier Tage vom Update-Hinweis zur Abschaltung

Am Freitag, dem 4. September, forderte die App zu einem Update auf. Ein Kunde berichtete, der Link dorthin habe ins Leere geführt, laden ließ sich damit nicht mehr. Einen Tag später sprach ein Sprecher gegenüber der Kleinen Zeitung von „technischen Problemen beim Partner“, die App sei bis Montag nicht nutzbar; ein Cyberangriff stecke nicht dahinter. Am Montag lief sie weiterhin nicht - stattdessen kam die Mitteilung über das Aus.

Auf elinx.at steht seither der Satz: „die elinx App wurde aus technischen Gründen mit sofortiger Wirkung eingestellt.“ Die Preistabellen der App sind dort noch abrufbar, obwohl es die Tarife nicht mehr gibt. Gegenüber den Kunden begründete das Unternehmen den Schritt damit, dass man dem eigenen Anspruch, „dauerhaft zuverlässige Produkte anzubieten“, nicht in der erforderlichen Qualität habe gerecht werden können. Von „qualitätsbezogenen Hürden“ ist die Rede.

Der Kontrast zum Start ist deutlich. Am 18. September 2025 war elinx als erstes Angebot eines österreichischen Energieversorgers mit europaweitem Zugriff auf 600.000 Ladepunkte angetreten, beworben mit 39 Cent je Kilowattstunde ohne Grundgebühr. Die Vorstände Martin Graf und Werner Ressi nannten damals das Ziel, das Laden „in allen Teilen Europas so einfach und transparent wie möglich zu machen“. Von den 39 Cent war zuletzt nichts mehr übrig: Der Tarif ohne Grundgebühr kostete am Ende 70 Cent an Wechselstrom- und 75 Cent an Gleichstromstationen.

Was die alten und die neuen Tarife kosten

Beide Preislisten sind derzeit noch nebeneinander abrufbar, die alte auf elinx.at und die neue bei der Energie Steiermark. Im eigenen Ladenetz des Versorgers stehen sich die Bruttopreise in Cent je Kilowattstunde so gegenüber:

Tarif Grundgebühr AC DC
elinx S (eingestellt) 4,99 € 49,0 ct 49,0 ct
Mobilitätskarte S 0,00 €1 45,0 ct 58,0 ct
elinx M (eingestellt) 9,99 € 43,0 ct 43,0 ct
Mobilitätskarte M 6,99 €2 41,9 ct 53,9 ct
elinx L (eingestellt) 19,99 € 40,0 ct 40,0 ct
Mobilitätskarte L 19,99 € 38,3 ct 49,3 ct

1 Statt einer Grundgebühr gilt ein Mindestumsatz von 3,90 € pro Monat, der bis Jahresende 2026 ausgesetzt ist. 2 Bis Jahresende 2026 entfällt die Grundgebühr. Erste Ladekarte kostenlos, jede weitere 9,90 €.

Der Bruch liegt beim Gleichstrom

Am Wechselstrom ändert sich wenig: Die Mobilitätskarte ist dort in allen drei Stufen sogar zwischen 1,1 und 4,0 Cent günstiger. Der Unterschied entsteht beim Schnellladen. elinx hatte im eigenen Netz für AC und DC denselben Preis verlangt - eine Kilowattstunde kostete gleich viel, egal ob sie über Nacht oder in 20 Minuten ins Auto ging. Bei der Mobilitätskarte gibt es diesen Aufschlag wieder: 13,0 Cent im Tarif S, 12,0 Cent im Tarif M und 11,0 Cent im Tarif L.

Gegenüber den elinx-Preisen bedeutet das an DC-Säulen einen Anstieg um 9,0 Cent (S), 10,9 Cent (M) und 9,3 Cent (L) je Kilowattstunde. Wer sein Auto überwiegend an der Wallbox lädt und öffentlich nur nachlädt, merkt das kaum. Wer auf Schnellladen angewiesen ist, sehr wohl.

Drei Rechenbeispiele

Wenig-Lader, 50 kWh im Monat, nur Wechselstrom.
elinx S: 4,99 € + 50 × 0,49 € = 29,49 €
Mobilitätskarte S: 0 € + 50 × 0,45 € = 22,50 €
Der Wegfall der Grundgebühr wiegt hier schwerer als der Arbeitspreis. Die Umstellung spart 6,99 € im Monat.

Alltagsnutzer, 150 kWh im Monat, davon 100 kWh am Schnelllader.
elinx M: 9,99 € + 100 × 0,43 € + 50 × 0,43 € = 74,49 €
Mobilitätskarte M: 6,99 € + 100 × 0,539 € + 50 × 0,419 € = 81,84 €
Das sind 7,35 € mehr im Monat oder 88,20 € im Jahr. Solange die Grundgebühr bis Jahresende ausgesetzt ist, liegt die Rechnung bei 74,85 € und damit praktisch gleichauf - der Aufschlag wird erst im Jänner 2027 spürbar.

Vielfahrer, 300 kWh im Monat, davon 200 kWh am Schnelllader.
elinx L: 19,99 € + 200 × 0,40 € + 100 × 0,40 € = 139,99 €
Mobilitätskarte L: 19,99 € + 200 × 0,493 € + 100 × 0,383 € = 156,89 €
16,90 € mehr im Monat, 202,80 € im Jahr, ein Aufschlag von 12 Prozent. Hier federt keine Aktion ab, weil die Grundgebühr im Tarif L unverändert bleibt.

Die Kritik einzelner Kunden, die Tarife seien höher als zuvor, trifft also zu - aber nicht pauschal. Sie gilt für alle, die viel Gleichstrom ziehen, und sie kehrt sich für Wenig-Lader an Wechselstromsäulen sogar um.

Die Blockiergebühr greift jetzt deutlich früher

Der zweite Unterschied steht im Kleingedruckten. elinx rechnete die Infrastrukturabgabe im eigenen Netz an AC-Säulen erst ab der 240. Minute ab, an DC-Säulen ab der 60. Minute. Bei der Mobilitätskarte beginnt sie an AC-Punkten schon ab der 60. Minute mit 3,5 Cent je Minute und an DC-Punkten ab der 30. Minute mit 12 Cent je Minute.

Die Karenzzeit am Wechselstrom schrumpft damit auf ein Viertel. Konkret: Drei Stunden an einer AC-Säule waren mit elinx abgabenfrei, mit der Mobilitätskarte kosten die 120 Minuten darüber 4,20 €. Eine 45-Minuten-Ladung am Schnelllader war ebenfalls frei, jetzt fallen für die letzten 15 Minuten 1,80 € an. Bei langen Standzeiten gleicht sich das wieder aus, weil der Minutensatz an AC niedriger ist: Zwölf Stunden am Parkplatz kosteten mit elinx 24,00 €, mit der Mobilitätskarte 23,10 €.

Was mit bezahlten Grundgebühren passiert

Wer den Grundtarif im Voraus bezahlt hat, bekommt ihn laut Energie Steiermark zurück. Die Mobilitätskarte muss separat online bestellt werden, sie kommt anschließend per Post - ein automatischer Übertrag der elinx-Verträge findet nicht statt. Bis zum Jahresende 2026 wirbt der Versorger damit, dass für Wechsler keine Grundgebühr anfällt.

Offen bleibt die Reichweite im Ausland. Für elinx waren 600.000 Ladepunkte in Europa angegeben, für die Mobilitätskarte nennt die Energie Steiermark keine vergleichbare Zahl - welche Stationen des Partner-Verbunds dazu gehören, ist nur in der hauseigenen Lade-App einsehbar. Für Urlaubsfahrten lohnt daher der Blick auf eine zweite Karte.

Was die Alternativen kosten

Ohne Vertrag zu laden ist im Netz der Energie Steiermark spürbar teurer. Nach den Meldungen im Ladestellenverzeichnis der E-Control liegt der Ad-hoc-Preis dort im Mittel bei 62,7 Cent an Wechselstrom- und 75,2 Cent an Gleichstromstandorten. Gegenüber dem Tarif S der Mobilitätskarte sind das 17,7 beziehungsweise 17,2 Cent Aufschlag je Kilowattstunde - bei einem Tarif, der selbst keine Grundgebühr kostet. Für jeden, der regelmäßig im Land unterwegs ist, bleibt die Karte damit rechnerisch die bessere Wahl.

Als zweite Karte kommen vor allem zwei Anbieter in Frage. Der ÖAMTC verlangt 44 Cent je Kilowattstunde an eigenen AC-Punkten und bindet über Roaming rund 30.000 weitere Ladepunkte in Österreich und den Nachbarländern an, ohne dass eine Mitgliedschaft nötig ist. EnBW mobility+ deckt mit mehr als 900.000 Ladepunkten in 17 Ländern die Fälle ab, in denen der Partner-Verbund nicht reicht. Beide finden sich im Ladekarten-Vergleich mit Details.

Am Ladenetz selbst ändert sich nichts

Betroffen ist der Zugang, nicht die Infrastruktur. Die Energie Steiermark betreibt 424 Standorte mit 1.269 Ladepunkten, 397 davon in der Steiermark. Das ist gut jeder fünfte Standort im Bundesland. 131 Standorte laden schnell, 73 erreichen mindestens 150 kW, der Median liegt bei 22 kW. Diese Säulen stehen weiter und lassen sich auch mit fremden Karten und per Ad-hoc-Zahlung nutzen - nur eben zu anderen Preisen.

Wo die Standorte im Detail liegen, steht auf der Übersicht zur Energie Steiermark und in den Listen für die steirischen Bezirke.

Fazit

Für Wenig-Lader ist das Ende von elinx keine schlechte Nachricht: Ohne Grundgebühr und mit 45 statt 49 Cent an der AC-Säule wird es billiger. Teuer wird es für alle, die schnellladen. Der einheitliche Preis für AC und DC war das Merkmal, das elinx von den übrigen Angeboten der Landesversorger unterschied, und genau das fällt jetzt weg.

Zwei Termine sind dabei wichtig. Bis 31. Dezember 2026 federn die ausgesetzten Grundgebühren den Unterschied ab, im Tarif M fast vollständig. Ab Jänner 2027 zählt der volle Preis, und dann lohnt sich die Rechnung erneut - besonders für alle, die mehr als 100 Kilowattstunden im Monat am Schnelllader ziehen.

Stand: 8. September 2026. Tarife der Mobilitätskarte und Preisangaben zu elinx nach den Angaben der Energie Steiermark, Chronologie der Abschaltung nach dem Bericht der Kleinen Zeitung vom 8. September 2026. Ad-hoc-Preise und Netzdaten nach den Meldungen im Ladestellenverzeichnis der E-Control (424 ausgewertete Standorte der Energie Steiermark). Alle Preise brutto, Angaben ohne Gewähr.

→ Weiter zum Ratgeber: Kosten und Tarife beim Laden