E-Auto kostenlos laden: Wo es in Österreich noch geht

Firmenparkplatz, Gastgeber, Gemeinde - und warum eine Null im Verzeichnis wenig beweist

An der öffentlichen Ladesäule ist Gratisstrom in Österreich die große Ausnahme. Von 41.035 Ladepunkten, die am 23. Oktober 2026 im Ladestellenverzeichnis der E-Control standen, meldeten 265 weder einen Preis je Kilowattstunde noch einen je Minute. Das sind 0,6 Prozent. Und selbst bei diesen ist nicht sicher, dass am Ende niemand zahlt. Wirklich kostenlos lädt heute vor allem, wer den Strom als Beigabe zu etwas anderem bekommt: zum Arbeitsplatz, zum Hotelzimmer, in Einzelfällen zum Parkplatz vor dem Gemeindeamt.

Elektroauto lädt an einer Wallbox auf einem kleinen Firmenparkplatz an einem trüben Herbstmorgen

Wo die 265 Null-Euro-Ladepunkte stehen

Die Einträge ohne Preis verteilen sich auf 79 Adressen und 16 Betreiber. 85 davon liegen in der Steiermark, 79 im Burgenland, 55 in Niederösterreich. Kärnten und Vorarlberg kommen zusammen auf drei. Schnell ist dabei fast nichts: 252 der 265 Ladepunkte liefern höchstens 22 kW Wechselstrom, nur fünf erreichen 50 kW oder mehr.

Gut 40 Prozent stehen an drei Orten. Die Energie Steiermark meldet 40 Ladepunkte an einer Adresse in Pöllauberg und 32 in der Coburgstraße in Schladming, dazu kommen 38 auf einem Betriebsgelände im Industriezentrum NÖ-Süd in Wiener Neudorf. Ein großer Teil des Rests ist ein Querschnitt durchs Burgenland: elf Gemeindeämter und ein Bauhof, eine Volksschule, ein Kindergarten, die Fachhochschule in Eisenstadt, zwei Pflegeeinrichtungen, der Strandparkplatz in Podersdorf, die Therme in Lutzmannsburg, ein Outlet-Center in Parndorf. Und vier Einträge heißen schlicht „Teststation“ oder tragen „Test“ im Namen, einer „Wallbox privat“.

Warum die Null im Verzeichnis wenig beweist

Am Burgenland lässt sich zeigen, warum man sich auf den Eintrag nicht verlassen sollte. 79 der Null-Ladepunkte gehören der Burgenland Energie. An ihren übrigen 701 Ladepunkten meldet sie 59 Cent an Wechselstrom- und 69 Cent an Gleichstromsäulen. Auf ihrer Tarifseite steht kein Gratisangebot, sondern ein Preis je Kilowattstunde an geeichten und ein Minutenpreis an ungeeichten Säulen. Ob am Gemeindeamt in Siegendorf tatsächlich nichts verrechnet wird, entscheidet also das Display an der Säule, nicht der Eintrag im Verzeichnis.

Dazu kommt eine Lücke im EU-Recht. Die AFIR-Verordnung verpflichtet Betreiber, den Ad-hoc-Preis als dynamisches Datum bereitzustellen, nimmt davon aber ausdrücklich alle Ladepunkte aus, „an denen keine Zahlung für den Aufladedienst verlangt wird“ (Artikel 20). Für diese Säulen entfällt auch die Pflicht zum Kartenterminal (Artikel 5). Eine Null kann deshalb zweierlei bedeuten: dass dort wirklich nichts kostet, oder dass niemand einen Preis eingetragen hat.

Null Cent je Kilowattstunde, aber sieben je Minute

Die größere Falle sind die 874 Ladepunkte, die 0 Cent je Kilowattstunde melden und trotzdem kosten - weil sie nach Zeit abrechnen. Die meisten davon führen MOON POWER (569), ChargePoint (92), die Salzburg AG (87) und da emobil (55). Am Parkdeck des EUROPARK in Salzburg, im MURPARK in Graz und im ATRIO in Villach stehen zum Beispiel 0 Cent je Kilowattstunde und 7 Cent je Minute.

Was das kostet, hängt allein davon ab, wie schnell dein Auto Strom aufnimmt. Eine Stunde kostet immer 4,20 Euro, die Kilowattstunde aber:

Ladeleistung des Autos Strom in einer Stunde Preis je kWh bei 7 ct/Minute
3,7 kW (einphasig)3,7 kWh1,14 €
7,4 kW7,4 kWh0,57 €
11 kW11 kWh0,38 €
22 kW22 kWh0,19 €

Für ein Auto, das an Wechselstrom 11 kW schafft, ist das ein guter Preis. Wer nur einphasig mit 3,7 kW lädt, zahlt an derselben Säule fast das Doppelte des österreichischen Mittelwerts von 59,5 Cent. Gegen Ende des Ladevorgangs sinkt die Leistung zudem, die Minute kostet aber weiter gleich viel.

An Schnellladern geht das so nicht mehr. Für Ladepunkte ab 50 kW, die seit dem 13. April 2024 errichtet wurden, schreibt die AFIR einen Ad-hoc-Preis je Kilowattstunde vor; ein Minutenpreis ist dort nur als Nutzungsgebühr gegen lange Belegung erlaubt. Unter 50 kW dürfen Betreiber weiter nach Zeit abrechnen, müssen die Preisbestandteile aber vor dem Ladebeginn in fester Reihenfolge zeigen: Kilowattstunde, Minute, Ladevorgang, alles Übrige.

Supermarkt und Möbelhaus: Gratis war gestern

Der Handel stellt heute meist nur den Parkplatz, betrieben werden die Säulen von Energieversorgern: bei Hofer vor allem von EVN, LINZ AG, Energie Steiermark und KELAG, bei Billa, Penny und IKEA von SMATRICS, bei McDonald's überwiegend von Mer. Lidl ist die einzige große Kette, die ihre Ladepunkte selbst betreibt. Ins Verzeichnis gemeldet wird der Ad-hoc-Preis, also der Preis ohne App und ohne Vertrag:

Kette Ladepunkte davon 0 € Ad-hoc-Preis (Median)
Hofer1.400075,0 ct/kWh
Spar, Eurospar, Interspar1.027168,4 ct/kWh
Billa648075,0 ct/kWh
McDonald's474079,7 ct/kWh
Lidl381059,5 ct/kWh
Penny96075,0 ct/kWh
XXXLutz74049,0 ct/kWh
Möbelix40075,0 ct/kWh
IKEA17070,0 ct/kWh

Zuordnung über den Stationsnamen im Ladestellenverzeichnis, Stand 23. Oktober 2026. Ladepunkte, deren Name die Kette nicht nennt, fehlen. Zum Vergleich: Über alle Ladepunkte mit Preisangabe liegt der Median bei 59,5 ct/kWh.

Unter den 3.552 Ladepunkten des Lebensmittelhandels steht genau eine Null, ein Ladepunkt der Burgenland Energie bei einem Spar in Neudörfl. Hofer, Billa und Penny liegen beim Ad-hoc-Preis sogar deutlich über dem österreichischen Mittel. Günstig wird es beim Einkauf nur mit der App oder Karte des jeweiligen Betreibers - bei Lidl etwa kostet Gleichstrom mit der eigenen App rund die Hälfte des Preises ohne. Welche Karte dafür im Alltag passt, zeigt der Ladekarten-Vergleich.

Am Firmenparkplatz: gratis und steuerfrei

Am klarsten geregelt ist das Gratisladen beim Arbeitgeber. Lässt der Arbeitgeber dich dein eigenes E-Auto unentgeltlich bei ihm laden, ist dafür laut § 4c Abs. 2 der Sachbezugswerteverordnung ein Sachbezug von null anzusetzen - es fällt also keine Lohnsteuer an. Das gilt seit Jänner 2023, für Autos mit 0 Gramm CO₂ je Kilometer und ebenso für E-Bikes und E-Motorräder. Plug-in-Hybride sind nicht erfasst.

Wer 15.000 Kilometer im Jahr fährt und 18 kWh auf 100 Kilometer braucht, lädt 2.700 Kilowattstunden. Zum Haushaltsstrompreis, den das Finanzministerium für 2026 mit 32,806 Cent je kWh festgesetzt hat, wären das 886 Euro im Jahr, wenn du ausschließlich am Firmenparkplatz lädst.

Für das Firmenauto gilt dasselbe beim Laden im Betrieb. Lädst du es anderswo, darf der Arbeitgeber die Kosten steuerfrei ersetzen: an öffentlichen Säulen gegen Beleg, zu Hause nur bei nachweislich zugeordneter Lademenge und gerechnet mit diesen 32,806 Cent. Die Pauschale von 30 Euro im Monat für Wallboxen, die das nicht können, lief Ende 2025 aus. Und ab Jänner 2027 ändert sich das Firmen-E-Auto selbst: Statt null werden laut BGBl. II Nr. 272/2026 0,375 Prozent der Anschaffungskosten fällig, höchstens 180 Euro im Monat, ab 2028 dann 0,625 Prozent und höchstens 300 Euro. Die Regeln fürs Laden in § 4c berührt diese Änderung nicht.

Im Hotel: Der Gästepreis steht nicht im Verzeichnis

1.645 Ladepunkte an 576 Adressen tragen „Hotel“ im Stationsnamen. Keiner davon meldet null Euro, der Median liegt bei 61,5 Cent und damit leicht über dem Mittel aller Ladepunkte. Das heißt nicht, dass Gäste dort zahlen müssen. Es heißt nur, dass das Verzeichnis den öffentlichen Preis für Durchreisende zeigt. Ob das Laden im Zimmerpreis steckt, ist eine Abmachung zwischen dir und dem Haus.

Darum gehört die Frage in die Buchung, nicht an die Rezeption. Zwei Dinge sind dabei zu klären: ob für Gäste ein eigener Zugang gilt oder ob du die öffentliche Säule mit eigener Karte startest, und ob die Wallbox über Nacht reserviert werden kann. Acht Stunden an 11 kW reichen für fast jeden Akku - an einer einzigen Wallbox fürs ganze Haus aber nur demjenigen, der zuerst ansteckt.

Lohnt ein Umweg zur Gratis-Säule?

Selten. Eine Stunde an einer 11-kW-Säule bringt 11 Kilowattstunden. Aus der eigenen Steckdose kosten die 3,61 Euro, an einer öffentlichen Säule zum Mittelwert von 59,5 Cent rund 6,55 Euro. Fährst du dafür 15 Kilometer Umweg, verbrauchst du bei 18 kWh je 100 Kilometer 2,7 davon gleich wieder. Netto bleiben 8,3 Kilowattstunden, zu Hause 2,72 Euro wert. Lädt dein Auto nur einphasig mit 3,7 kW, schrumpft der Gewinn derselben Stunde auf eine Kilowattstunde, also auf 33 Cent.

Gratis-Säulen lohnen sich dort, wo du ohnehin Stunden verbringst: im Büro, im Hotel, in der Therme. Als Ziel einer eigenen Fahrt rechnen sie sich nicht. Wer das Laden unterwegs günstiger machen will, holt mehr aus einem App-Tarif ohne Grundgebühr heraus, wie ihn die Übersicht zu Kosten und Tarifen vorrechnet.

Stand: 24. Oktober 2026. Ladepunkte und Preise nach dem Export des Ladestellenverzeichnisses der E-Control vom 23. Oktober 2026 (41.035 Ladepunkte ohne geplante und entfernte; Preise sind Meldungen der Betreiber). Steuerliche Regeln nach der Sachbezugswerteverordnung in der Fassung BGBl. II Nr. 504/2022, 404/2023 und 272/2026 sowie dem Strompreis-Erlass des Finanzministeriums vom 24. Oktober 2025. Preisregeln nach der EU-Verordnung 2023/1804 (AFIR). Alle Preise brutto, Angaben ohne Gewähr.

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